11.02.12 | Sachsen | Schulen droht Horror

11.02.2012
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An Sachsens Schulen droht der Horror

Von Jens Fritzsche

Ex-Bildungsministerin Eva- Maria Stange fordert bei SPD-Runde in Radeberg dringend neue Lehrer ein.

Sachsens führenden Bildungspolitikern dürften Donnerstagabend mächtig die Ohren geklungen haben. Jedenfalls dann, wenn sie ein Parteibuch von CDU oder FDP in der Jackentasche tragen.

„Schuld“ daran war eine resolute Frau, die auf Einladung der Radeberger SPD auf Schloss Klippenstein zum Thema Schulpolitik referierte und Sätze nutzte wie: „Die Kreistage müssen endlich mal Arsch in der Hose haben!“ Die resolute Frau war Sachsens einstige Hochschulministerin Eva-Maria Stange, die nun in der SPD-Landtagsfraktion für das Thema Bildungsfragen zuständig ist. Und die Kreistage, so forderte sie, müssten dem für Schulen zuständigen Kultministerium endlich mal erklären, warum ein weiterer Sparkurs bei Schulen und vor allem bei Lehrern fatale Folgen haben werde. Schließlich sind in Sachsen die Landkreise für die Schulnetzplanung verantwortlich, „allerdings stehen sie unter einem enormen Druck seitens der Landesregierung, die Klassen an den Schulen möglichst voll zu stopfen, weil das Land nicht genug Lehrer bereitstellt“, machte Eva-Maria Stange klar.

Und führte dann Zahlen ins Feld, die den Zuhörern sprichwörtlich die Haare zu Berge stehen ließen: Aktuell gebe es in Sachsen rund 28000 Lehrerstellen, bis 2020 werden davon 27Prozent, bis 2030 gar 75Prozent aus dem Berufsleben ausscheiden. Ab dem Schuljahr 2015/16 braucht Sachsen demnach tausend bis 1500 neue Lehrer, „aktuell werden aber an den beiden verbliebenen Lehrerausbildungs-Unis Dresden und Leipzig nur 900 Studenten immatrikuliert“, so die Ex-Ministerin. Nimmt man also an, dass davon zumindest 700 das Studium erfolgreich absolvieren, „deckt das nicht mal die Hälfte der fehlenden Stellen ab!“ Sachsen müsse endlich Geld in die Hand nehmen, mehr Lehrer ausbilden und vor allem die Lehrer auch besser bezahlen. Denn in Ländern wie Bayern oder auch Thüringen werden Lehrer verbeamtet, „wie will Sachsen da mithalten?“, fragte Eva-Maria Stange. Geld sei jedenfalls da, ist sie überzeugt. „Allein im vergangenen Jahr hat Sachsen 400 Millionen Euro mehr erwirtschaftet, als geplant, aber die Landesregierung will dieses Geld lieber auf die hohe Kante legen, statt es in die Zukunft zu investieren“, wundert sich die SPD-Politikerin. Zudem dürfe Sachsen auch keine Scheu haben, neue Schulden aufzunehmen, „das machen Unternehmen ja auch, wenn sie neue Technik anschaffen, um langfristig erfolgreich zu sein.“

Dass aber nicht nur fehlende Lehrer ein Problem sind, sondern auch fehlender Platz, wie beispielsweise an den Radeberger Mittelschulen – mahnten dann Elternvertreter der Radeberger Pestalozzi-Mittelschule an. Ein Vorwurf, den der neben Eva-Maria Stange sitzende Radeberger OB Gerhard Lemm (SPD) so nicht gelten lassen wollte: „Ich sage es gern noch mal, wir haben genug Platz, wir schaffen zudem neuen Platz an der Richterschule – aber das Land stellt einfach nicht genug Lehrer bereit, das ist der Knackpunkt.“ Elternvertreterin Franziska Martin blieb hart: „Wir brauchen beides: Platz und Lehrer, aber im Moment sieht es so aus, dass sich gar nichts tut, außer sich gegenseitig die Schuld zuzuschieben.“

Eva-Maria Stange sprang Lemm zur Seite: „Die größte Bremse ist derzeit das Kultusministerium.“ Stünden genügend Lehrer bereit, gebe es auch solche Probleme wie derzeit in Radeberg nicht, ist sie überzeugt. Die Zielrichtung der Kritik müsse die aktuelle Politik des Freistaats sein, stellte sie klar.

Quelle: sz-online.de / Rödertal

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